Die New York Times beschrieb Robert Wilson als »Leitfigur in der Welt des experimentellen Theaters.« Wilsons Arbeiten integrieren eine enorme Spannbreite künstlerischer Ausdrucksformen, oft in enger Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Sie kombinieren Bewegung, Tanz, Licht, Objektdesign, Skulptur, Musik und Text zu einem geschlossenen Ganzen. Seit den 1970er-Jahren finden seine Produktionen internationale Begeisterung bei Publikum und Kritikern.

Geboren in Waco, Texas, schrieb sich Wilson zunächst an der University of Texas ein. Schon 1963 aber zog er nach New York, um Architektur am Pratt Institute in Brooklyn zu studieren. Sehr bald entstanden erste Bühnenarbeiten mit seinem Ensemble Byrd Hoffman School of Byrds wie »King of Spain« (1969), »Deafman Glance«(1970), »The Life and Times of Joseph Stalin« (1973) und »A Letter for Queen Victoria« (1974). Als einer der führenden Kräfte in der Avantgardeszene in Manhattan schuf Wilson gemeinsam mit dem Komponisten Philip Glass die monumentale Oper »Einstein on the Beach« (1976).
Nach dem Erfolg mit »Einstein« arbeitete Wilson zunehmend an den wichtigsten europäischen Theatern, Opernhäusern und Festivals. An der Berliner Schaubühne entsteht »Death, Destruction, Detroit« I und II (1979, 1987) in Zusammenarbeit mit Heiner Müller. Die ehrgeizigste gemeinsame Arbeit ist die fünf Länder umspannende Produktion »The CIVILwarS« (1984). 1986 inszeniert er in NewYork Müllers »Hamletmaschine«. Am Hamburger Thalia Theater entstehen gemeinsam mit William S. Burroughs und Tom Waits die Musicals »The Black Rider« (1991), »Alice« (1992) und »Time Rocker« (1996). Gemeinsam mit Susan Sontag inszeniert Wilson 1993 »Alice in Bed« an der Schaubühne Berlin sowie 1998 »Lady from the Sea« am Teatro Comunale in Ferrara. Für die Salzburger Festspiele bringt Wilson 1998 »Dantons Tod« von Büchner auf die Bühne. 2003 inszenierter am Berliner Ensemble »Leonce und Lena« (Musik: Herbert Grönemeyer), 2005 Shakespeares »Wintermärchen«, 2007 »Die Dreigroschenoper« von Brecht/Weill, 2009 Shakespeares »Sonette« und 2011 »Lulu«.
Seit den frühen 90er Jahren inszeniert Wilson verstärkt auch das klassische Opernrepertoire, u.a. »Parsifal« in Hamburg (1991) und Houston (1992), »Die Zauberflöte« (1991), Wagners »Ring« in Zürich (1992), »Madame Butterfly« (1993), »Pélleas et Mélisande« bei den Salzburger Festspielen (1997) und »Lohengrin« an der Metropolitan Opera in New York (1998). Wilsons spezifische Inszenierungsweise ist tief in seiner Arbeit als bildender Künstler verwurzelt. Retrospektiven seiner Zeichnungen, Möbelentwürfe und Installationen waren im Centre Georges Pompidou in Paris und dem Boston Museum of Fine Arts zu sehen. Installationsarbeiten im Stedelijk Museum in Amsterdam, den Londoner Clink Street Vaults, dem IVAM Valencia und den Guggenheim Museen in New York und Bilbao gehören ebenfalls in diese Reihe. Seine außergewöhnliche Hommage an Isamu Noguchi hatte Stationen in New York und dem Seattle Art Museum, und seine Installation der Giorgio Armani-Retrospektive im New Yorker Guggenheim reiste nach London, Rom, Tokio, Shanghai und Mailand. Nach vielen Experimenten mit Videoarbeiten seit den 1970er Jahren waren die in den letzten Jahren entstandenen »Video Portraits« in New York, Beijing, Mailand, Neapel, Hamburg und Berlin zu sehen.
Seit 1992 lädt Wilson jeden Sommer Studenten, Künstler und Wissenschaftler zur Teilnahme am International Summer Program in das Watermill Center ein, einem interdisziplinären Labor für die Künste und Geisteswissenschaften. Das Watermill Center selbst, von Wilson entworfen und idyllisch auf Long Island gelegen, unterhält zudem ein ganzjähriges Künstlerprogramm. Zu Wilsons vielfältigen Preisen und Ehrungen gehören u.a. zwei Guggenheim Fellowships (1971 und 1980), die Rockefeller Foundation Fellowship (1975), der Goldene Löwe für Skulptur der Biennale Venedig (1993), der Dorothy and Lillian Gish Prize (1996), die Wahl in die American Academy of Arts and Letters (2000), der National Design Award (2001), und die Ernennung zum Commandeur des arts et des lettres (2002).


Foto Maik Schuck