Motto „Souvenir“
Im Deutschen bedeutet Souvenir »Andenken«, im Französischen »Erinnerung, Gedächtnis«,
Beiden Bedeutungen trägt das Kunstfest 2007 Rechnung.
„Souvenirs“ sind mehr als in Dingen verkörperte Erinnerungen. Es sind Schwingungen der Seele, die tief in die Zeit reichen und in einem Objekt nur Gestalt annehmen. Souvenirs können Vergessenes, Verdrängtes hervorrufen, sie bergen Schönes und Schreckliches. Ein Souvenir ist die Klammer zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Das Kunstfest Weimar nimmt die vielfältigen Schattierungen, die der Begriff „Souvenir“ in sich trägt und spürt ihnen auf künstlerischen Wegen nach. Das Eröffnungskonzert findet zum Gedächtnis an die Opfer des KZ Buchenwald statt. Trauer und Klage bestimmen das Flötenkonzert des nach Israel ausgewanderten georgischen Komponisten Joseph Bardanashvili, Schuberts große Sinfonie DV 944, ein spätes Werk, das Schubert selbst nie gehört hat, endet mit einem strahlenden, hoffnungsvollen C-Dur.
Den Faden des Rückblicks spinnt György Kurtag in der Eröffnung „pèlerinages“ weiter in seiner dicht gewebten „Hommage an R. Sch.“, Robert Schumann. Eingebettet in Klaviermusik von Franz Liszt, die nicht auf einem modernen Flügel, sondern auf einem „Klang-Souvenir“ des 19. Jahrhunderts ertönt, einem Fortepiano, bieten drei Schauspielerinnen Texte über das Erinnern und das An-Denken. „Palimpsest“ heißt eine Komposition des griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Wie bei einem Souvenir birgt die erkennbare Außenseite weitere, verborgene Zeichen, die in einem Konzert des renommierten Klangforums Wien zur Geltung kommen. Eine Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft kommt in Haydns später Messe „aus Kriegszeiten“ zum Ausdruck, dem Arnold Schönbergs Chorwerk „Friede auf Erden“ gegenübergestellt wird und dem Futurismus von gestern fragt das Kunstfest in einem Konzert mit Steffen Schleiermacher und in einer Ausstellung aus Wien - „Wiener Kinetismus“ - nach. In verschiedenen Ausprägungen durchzieht der Begriff der Erinnerung die ganze musikalische Wanderung - der „pèlerinages“ 2007.. Dazu gehören erstmals auch Jazz- und Klezmermusik.
Einen besonderen Schwerpunkt dieses Kunstfestes bildet der Tanz. Auch hier Erinnerung: In Jan Lauwers Tanztheater „Isabella’s Room“ kann Isabella, 94 Jahre alt und blind, ihre Erinnerungen „sehen“, sie werden von acht Darstellern verkörpert und geraten zu einer Abrechnung mit dem europäischen Kolonialismus. „Flow and Energy“, kennzeichnet die Arbeiten des englischen Choreographen Russell Maliphant, in fließenden und zugleich skulpturalen Ausdrucksformen ersteht die innere Spannung des Souvenirs.
Ganz der Gegenwart und Zukunft verpflichtet ist freilich das neue, auf drei Jahre angelegte Projekt einer TAnzMedienAkademie – aus der Zusammenarbeit von jungen Choreographen, Tänzern, Tänzerinnen und Medienkünstlern sollen neue künstlerische Ausdrducksformen erschlossen werden
Souvenir – das ist auch das Wieder-Holen der Geschichte. Damit spielen die Mitbringsel und Andenken der Ausstellung „Le Souvenir“. Sie zeigt, wie Souvenirs zu Kultobjekten stilisiert wurden, zeigt aber auch den Umgang zeitgenössischer Künstler mit den Phänomen der Sammelwut.. Und in den Diskussionsrunden „Memoria I“ und „Memoria II“ sprechen Dichter, Schriftsteller und. Psychoanalytiker über die merkwürdigen Konstruktionen, zu denen „authentische“ Erinnerung fähig ist, sowohl auf politischer wie auf privater Ebene.
Wie ein roter Faden zieht sich das Motto „Souvenir“ durch das Kunstfest Weimar des Jahres 2007 – unvergessen dabei unsere Orientierung an Franz Liszt, den Schirmherrn und Übervater für unser Anliegen, Weimarer Traditionen in die Gegenwart fortzuführen.