TanzMedienAkademie 07

Studierende der Palucca Schule Dresden, Choreographie
Studio für Elektroakustische Musik, Komposition
Chris Ziegler, Installation
Arthur Stäldi, Ted Stoffer, Training/Coaching

Ausgangspunkt der TanzMedienAkademie 07 war eine Weiterentwicklung der interaktiven Installation »wald-forest« des Medienkünstlers Chris Ziegler, Associate Artist des ZKM in Karlsruhe und bekannt durch seine Zusammenarbeit mit William Forsythe. »wald-forest« ist eine auf Bewegung reagierende Performance-Landschaft aus Licht und Klang auf der Grenze zwischen Architektur und «digitalen Organismus«, und bietet einen vielfältigen Experimentierraum für das Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen.

»Tänzer haben eine hoch entwickelte Körperintelligenz, durch die sie immer wissen, was sie wo auf der Bühne tanzten. Mit diesem ›Repertoire‹ können sie mit sich selbst in einen Dialog treten, der beim Tanzen Raum und Zeit auf der Bühne dekonstruiert. Meine interaktive Bühnentechnik soll diesen Prozeß reflektieren und unterstützen.«
(Chris Ziegler)

Teilnehmer waren drei Choreographen aus dem Postgraduierten- Studiengang der Palucca Schule Dresden sowie drei junge Komponisten des Studios für elektroakustische Musik Weimar. In enger Zusammenarbeit entstanden bereits im Vorfeld Konzepte, die in dem dreiwöchigen Workshop gemeinsam mit Tänzern (Studierenden bzw. Absolventen) verschiedener europäischer Tanzhochschulen umgesetzt wurden. Unterstützung erfuhren die jungen Künstler von den erfahrenen Choreographen Arthur Stäldi und Ted Stoffer.

Skizzen zu den Arbeiten

Wald_Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
Martina Morasso, Choreographie
Constantin Popp, Komposition
Martin Bellardi, Licht
Gonçalo Cruzinha, Stephanie Felber, Ursula Nill, Isabella Oberländer, Jasmina Schebesta, Tanz

»Auf halbem Weg des Menschenlebens fand ich mich in einen finstern Wald verschlagen, weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.«
(Dante Alighieri, Die göttliche Komödie)

Der Wald dieser Verse aus der »Divina Commedia« ist ein System, in dem es viele Wege gibt – keinen rechten, alle ähneln sich, es fehlen die Orientierungspunkte. Es ist ein System mit Regeln und Gesetzen, denen man unterworfen und ausgeliefert ist, ohne sie zu kennen. Inmitten dieses Waldes scheint es kein Außen zu geben.
Vergleichbar ist diese Erfahrung mit dem Gang durch das Holocaust- Mahnmal in Berlin: Es fängt ganz harmlos an, eine Platte, eine kniehohe Säule, es geht weiter bergab, bergan, hinein. Dreht man sich um, sieht alles gleich aus, wie man sich auch wendet, man ist mittendrin und dann – nirgends ein Ende. Licht, Tanz und Klang sind in diesem Stück Kräfte, die aufeinander einwirken, sich durchdringen und miteinander ringen. Verschiedene Symboliken des Waldes werden aufgegriffen und nehmen schließlich eine überraschende Wendung…

Phonolithikum
Constance Lüttich, Choreographie
Hanns-Holger Rutz, Komposition
Daniela Dinh, Parwanhe Frei, Helena Gläser, Antoinette Helbing, Senem Gökce Ogultekin, Tanz

Zugrundeliegende Metapher des Stückes ist der Entwicklungszyklus der Gesteine. Paradoxerweise erscheint uns Gestein als etwas Ewiges oder zumindest sehr Dauerhaftes. Mit einem entsprechenden Zeitmaßstab versehen, befindet sich jedoch auch Gestein in einem kontinuierlichen Veränderungsprozeß.
Der Titel spielt auf die archaische Verbindung zwischen Gestein und Klang an, etwa im brahmanischen Schöpfungsmythos, wo sich aus einem Urton durch allmähliches Verklingen die Materie gebildet hat, in der dieser Ursprung noch vorhanden ist – als älteste Materie wird der Phonolith (»Klingstein«) angesehen, ein vulkanisches, hell-metallisch klingendes Gestein. Der Materialität des Gesteins wird der Mensch und seine Psyche gegenübergestellt. Durch seine Verletzlichkeit und Vergänglichkeit bildet er einen Gegenpol zur Festigkeit des Gesteins, ist jedoch gleichzeitig mit ihm organisch verbunden.
Die Töne der klingenden Steine wurden abgenommen vom Original-Instrument »Das Hellmundtsche Lithophon« (www.hellmundt-klaenge.de).

Fluchten
Steffen Fuchs, Choreographie
Ludger Kisters, Komposition
Monika Born, Marie-Sophie Budek, Signe Koefoed, David Laera, Friederike Plafki, Constance Marie Antoinette Prochazka, Tanz

Kindheitsfotos von Ausflügen in den Thüringer Wald bilden den Ausgangspunkt von »Fluchten«. Fotos klebt man in ein Album und dort vergilben sie langsam, bis nur noch der Schatten einer Erinnerung bleibt. Unsere im Kopf gespeicherten »Souvenirs« sind vergänglich und diesen Weg des Verlustes will das Stück sichtbar machen. Die Matrix der Installation mit ihrem exakten Aufbau dient dabei nicht als Sinnbild des Waldes, sondern vielmehr als Laboratorium, in dem Erinnerungen seziert werden und wo es kein Verstecken gibt. Ein Raum, in dem es um Wissen und um dessen Verfall geht. Aus kollektiven Erinnerungen bilden sich immer intimere und individuellere Strukturen, die sich auch in der klanglichen Struktur widerspiegeln. Erfahrbar wird eine visuelle und akustische Fragmentierung, die mit der Aufrechterhaltung der eigenen Geschichte ringt.

forest II – cellular automaton
Chris Ziegler, Konzept, Raum, Licht
Alexandre Decoupigny, Sound

Ein digitaler Organismus, ein »cellular automaton« lebt in »forest II«. Er »lebt« in Lebenszyklen, die von der Anwesenheit der Besucher beeinflußt werden. Er atmet, macht Geräusche, bewegt sich durch einen künstlichen Wald von Lichtobjekten und setzt Spuren von Licht. Pulsierendes Licht zeigt die Lebensaktivität des Organismus. Das klangliche Hauptmotiv der Installation ist der Atem. Entsprechend der Funktion des Waldes als Lunge des ökologischen Systems Erde, suggerieren pulsierende, rhythmisch-kontemplative Atemgeräusche dem Besucher ein lebendiges, organisches Wesen, das als digitaler Organismus in der Installation lebt. Diesem Hauptmotiv entspringt eine weiteres Thema: Klang-Organismen werden in das System implementiert, deren akustische Gestalt der abstrahierten Klanglandschaft eines Waldes entspringt: Knacken und Knarzen, Rauschen und Surren, Klopfen und Krachen, Kreischen und Ächzen. Gemeinsam mit den leuchtenden Impulsen der Lichtinstallation materialisieren sich Klänge zu nahezu greifbaren, dennoch flüchtigen Gestalten, die mit dem Besucher kommunizieren.

Die TanzMedienAkademie 07 wurde gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und fand in Kooperation mit der Palucca Schule Dresden, der Bauhaus- Universität Weimar und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar statt. Mit freundlicher Unterstützung der Konsumgenossenschaft Weimar e.G.

Gefördert durch die:

In Kooperation mit der Palucca-Schule Dresden, der Bauhaus-Universität Weimar und der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar
Mit freundlicher Unterstützung der Konsumgenossenschaft Weimar e.G.